Sandra erzählt von einem neuen Projekt
Ankunft in Wien
Sandra steht am Wiener Hauptbahnhof und schaut auf ihr Handy. Es ist ein kalter Vormittag, der Himmel ist grau, und trotzdem fühlt sich alles ungewohnt leicht an. Vor einem Jahr war sie mit einem Koffer nach Sydney geflogen, ohne genau zu wissen, wie sich dieses Jahr entwickeln würde. Jetzt ist sie zurück – und diesmal nicht allein. Fred steht neben ihr und hält den zweiten Koffer fest, als hätte er Angst, er könnte im Gedränge verschwinden.
„Also… das ist jetzt Wien“, sagt er und schaut sich um. Er klingt zufrieden, aber auch ein bisschen nervös. Sandra kennt diesen Ton. Fred spricht gut Deutsch, aber manchmal trifft er in der Situation nicht ganz den passenden Ausdruck. Und in Wien reagieren die Leute auf solche kleinen Ungenauigkeiten oft schneller, als man denkt.
Sie gehen zur U-Bahn, ziehen die Koffer über den Boden und versuchen, nicht im Weg zu stehen. Fred liest die Schilder laut vor, als würde er sich selbst beruhigen. „Ausgang… Bahnsteig… bitte nicht drängeln.“ Dann bleibt er stehen und sagt: „Die Menschen sind sehr effizient. Oder… eher ungeduldig?“ Sandra muss lachen. „Beides“, antwortet sie. „Und das ist noch die freundliche Version.“
Als sie später vor der Altbauwohnung stehen, wirkt das Haus auf den ersten Blick beeindruckend. Hohe Decken, schwere Türen, ein Stiegenhaus, das ein bisschen nach Vergangenheit riecht. Fred schaut nach oben. „Das ist wirklich… historisch“, sagt er. Sandra nickt. „Ja. Und manchmal auch historisch kalt im Winter.“
Im Wohnzimmer steht noch kaum etwas. Nur ein paar Kartons, eine Matratze und ein kleiner Tisch, den die Tante organisiert hat. Fred setzt sich auf den Boden, atmet tief durch und sagt: „Ich glaube, wir haben das gut gemacht.“ Sandra weiß, was er meint: Sie haben geplant, gesucht, organisiert, Bewerbungen geschrieben, Termine aus Australien geführt. Und trotzdem fühlt sich jetzt alles plötzlich real an.
Dann klingelt es. Eine ältere Nachbarin steht vor der Tür und schaut freundlich, aber prüfend. „Grüß Gott“, sagt sie. „Sie sind die Neuen?“
Sandra lächelt. „Ja. Wir sind gerade erst angekommen.“
Fred nickt und ergänzt: „Wir hoffen, wir machen keine Probleme.“
Die Nachbarin hebt die Augenbrauen. „Na, schauen wir mal“, sagt sie – und geht.
Sandra dreht sich zu Fred. „Willkommen in Wien“, sagt sie leise.
Hier kannst du Sandra hören